Kennzahlen für Kanzleien: Anfragen richtig zählen
Anfragen, offene Vorgänge und Mandatsannahmen nachvollziehbar auswerten. Mit einem fiktiven Rechenbeispiel und fünf Prüfungen für Ihr Kennzahlenblatt.
Kurz erklärt
Wählen Sie Kennzahlen danach aus, welche Entscheidung Sie treffen müssen. Für den Weg von der Anfrage bis zur Bearbeitung helfen zunächst klar definierte Bestände, Übergänge und offene Vorgänge. Jede Zahl braucht einen Zeitraum, eine Datenquelle und eine zuständige Person. Ein kleines verständliches Auswertungsblatt ist hilfreicher als eine lange Liste unterschiedlich gezählter Werte.
In diesem Artikel
Mit einer konkreten Frage anfangen
Möchten Sie wissen, ob passende Anfragen fehlen? Oder kommen genügend Kontakte an, während Rückmeldungen liegen bleiben? Das sind unterschiedliche Fragen. Eine steigende Kontaktzahl kann den zweiten Fall sogar verdecken. Beschreiben Sie daher zuerst den vermuteten Engpass, bevor Sie eine Kennzahl auswählen.
Die zugrunde liegenden Status müssen für das Team verständlich sein. „Eingegangen“, „Rückfrage offen“ und „Entscheidung ausstehend“ bezeichnen unterschiedliche Bearbeitungssituationen. Auf unserer Seite zur Kanzleiorganisation stehen deshalb Zuständigkeit, Status und nächster Schritt im Mittelpunkt. Die folgende Auswertung baut auf dieser Ordnung auf und ergänzt sie um klare Zählregeln.
Ein kleines Kennzahlenblatt aufbauen
Die folgende Auswahl ist ein eigener Arbeitsvorschlag für die organisatorische Besprechung. Sie ist kein Branchenstandard und keine vollständige betriebswirtschaftliche Kanzleisteuerung.
| Kennzahl | Festzulegende Zählregel | Mögliche Frage |
|---|---|---|
| Neue Anfragen | Eindeutige Anfragen nach Eingangsdatum | Kommen Kontakte an? |
| Offene Erstsichtungen | Bestand zu einem festen Stichtag | Wo wartet Arbeit auf Sichtung? |
| Rückfragen offen | Vorgänge mit ausstehender Antwort zum Stichtag | Welche Information fehlt? |
| Entschiedene Anfragen | Abgeschlossene Entscheidungen einer definierten Eingangsgruppe | Wie weit ist die Bearbeitung? |
Tabelle seitlich verschieben, um alle Spalten zu lesen.
Zählen Sie einen Vorgang nicht erneut als neue Anfrage, nur weil dieselbe Person später anruft. Notieren Sie, wie Dubletten erkannt werden und wie unklare Zuordnungen behandelt werden. Bleibt ein Teil der Anfragen nicht zuordenbar, gehört diese Datenlücke in den Bericht.
Ein fiktives Beispiel richtig lesen
Angenommen, im betrachteten Monat gehen 30 eindeutige Anfragen ein. Für diese Eingangsgruppe sind am Auswertungsstichtag 10 Mandate angenommen, 12 Anfragen abgeschlossen ohne Annahme und 8 noch offen. Die Summe ist 30. Die bisherige Annahmequote der gesamten Eingangsgruppe beträgt 10 geteilt durch 30, also rund 33 Prozent.
Wer nur entschiedene Vorgänge betrachtet, rechnet dagegen 10 geteilt durch 22 und erhält rund 45 Prozent. Beide Zahlen können rechnerisch richtig sein, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Schreiben Sie den Nenner deshalb direkt daneben. Solange acht Vorgänge offen sind, steht das abschließende Ergebnis dieser Eingangsgruppe nicht fest.
Die Zahlen sind ausdrücklich fiktiv. Sie sind kein Zielwert für Ihre Kanzlei und sagen nichts über die Qualität einzelner Mandatsentscheidungen aus. Eine fachlich begründete Ablehnung kann organisatorisch richtig sein; eine höhere Quote ist nicht automatisch das bessere Ergebnis.
Plattformzahlen nicht mit Mandaten gleichsetzen
In Google Ads hängt die Conversion-Zahl von den konfigurierten Aktionen ab. Je nach Einrichtung wird beispielsweise eine Anmeldung oder ein Anruf als wertvolle Aktion erfasst. Das ist nicht dasselbe wie eine in Ihrer Kanzlei dokumentierte Mandatsannahme. Quelle: Google Ads zur Conversion-Analyse.
Auch Berichtszeiträume benötigen Aufmerksamkeit. Google unterscheidet unter anderem das Rückblickfenster eines Attributionsberichts vom Conversion-Tracking-Zeitraum. Ein Bericht ordnet Ergebnisse damit anhand konkreter Einstellungen zu. Quelle: Google Ads zu Attributionsberichten. Für Ihr Kanzleiblatt halten Sie separat fest, ob eine Zeile nach Eingangsdatum, Entscheidungsdatum oder Stichtagsbestand gebildet wurde.
Fünf Prüfungen vor der nächsten Auswertung
Prüfen Sie das Kennzahlenblatt vor der Besprechung. Die folgende Checkliste ist eine redaktionelle Arbeitshilfe:
Im fiktiven Beispiel wäre eine spätere Annahme aus den acht offenen Vorgängen ein geänderter Stand derselben Eingangsgruppe. Sie wäre keine neue Anfrage des Folgemonats. Neue Eingänge führen Sie separat, damit sich die Entwicklung nachvollziehen lässt.
Aus der Zahl eine bearbeitbare Aufgabe machen
Besprechen Sie eine auffällige Zahl mit den Personen, die den Arbeitsweg kennen. Bei vielen offenen Rückfragen kann die Frage unverständlich sein, die Unterlage fehlen oder die zuständige Person abwesend sein. Die Zahl zeigt den Prüfbedarf; den Grund müssen Sie am Ablauf untersuchen.
Halten Sie nach dem Gespräch eine konkrete Änderung fest: beispielsweise die Zuständigkeit für eine Rückfrage klären oder eine missverständliche Formularhilfe überarbeiten. Prüfen Sie beim nächsten Termin dieselbe Zählregel. Ändern sich Definition oder Datenquelle, dokumentieren Sie den Wechsel, statt die Zahlen ungekennzeichnet als fortlaufende Reihe darzustellen.
Zählregeln auf klare Abläufe aufbauen
Definieren Sie Status, Zuständigkeit und nächsten Schritt, damit Ihr Team denselben Vorgang gleich einordnet.
Quellen und Einordnung
- KanzleiPerformance: Kanzleiorganisation. Abgerufen am 02.10.2026. Eigener Bestandskontext zu Status und Zuständigkeiten; kein unabhängiger Wirksamkeitsbeleg.
- Google Ads: Conversion-Analyse. Abgerufen am 02.10.2026. Wertvolle Aktionen werden konfiguriert, etwa Anruf oder Anmeldung; keine automatische Mandatszählung
- Google Ads: Attributionsberichte. Abgerufen am 02.10.2026. Rückblickfenster und Conversion-Tracking-Zeitraum sind unterschiedliche Einstellungen
Redaktion
Redaktion KanzleiPerformance · Aktualisiert am 02.10.2026
